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Die Turnhalle

Die Turnhalle

Es gibt Orte, die machen einen nicht stärker.


Sie erinnern einen nur daran, warum man’s trotzdem versucht.

Austriaman in der Turnhalle


Meine Turnhalle ist so einer.

Baujahr irgendwann in den 1970ern. Das erkennt man nicht an einer Tafel, sondern am Geruch. Eine Mischung aus Turnschuhen, Bohnerwachs und Dingen, die nie ganz verschwunden sind. Der Boden klebt leicht. Nicht genug, um stehen zu bleiben – aber genug, um dich bei jedem Schritt daran zu erinnern, dass hier schon andere geschwitzt haben. Viele andere. Manche davon vermutlich unfreiwillig.

Die Neonröhren flackern manchmal. Nicht dramatisch. Eher resigniert.
Als hätten sie auch schon bessere Zeiten gesehen, aber beschlossen, jetzt einfach durchzuhalten.

Hier trainiere ich.

Austriaman macht Liegestütz

Nicht, weil es modern ist.
Nicht, weil es Sinn ergibt.
Sondern weil sonst keiner da ist.

Die Sprossenwand quietscht, wenn man sie berührt. Die Ringe hängen schief. Die Linien am Boden haben ihre ursprüngliche Funktion längst aufgegeben und dienen jetzt mehr der Erinnerung als der Orientierung. Irgendwo in einer Ecke liegt ein Medizinball, der aussieht, als hätte er selbst einiges durchgemacht.

Ich trainiere trotzdem.

Austriaman macht Crunches

Manchmal Kraft.
Manchmal Ausdauer.
Meistens Geduld.

Austriaman macht Kniebeugen

Ab und zu kommt der Hallenwart vorbei. Er sagt nichts. Er schaut nur. Dieser Blick, der gleichzeitig alles gesehen hat und trotzdem nicht fragt. Wir haben eine Art stilles Einvernehmen. Ich tu so, als wäre ich hier aus einem guten Grund. Er tut so, als wäre das normal.

Was man hier lernt, steht in keinem Trainingsplan:
Dass Fortschritt langsam ist.
Dass man nicht immer Applaus bekommt.
Dass Echo manchmal das Einzige ist, was antwortet.

Wenn ich fertig bin, lösche ich das Licht. Oder zumindest versuche ich es. Eine Röhre bleibt fast immer an. Aus Prinzip, glaub ich. Die Halle will nicht ganz loslassen.

Vielleicht ist das der eigentliche Grund, warum ich wiederkomme.

Nicht wegen der Muskeln.
Sondern weil dieser Ort genau weiß, wie es ist, nicht aufzugeben – obwohl’s keiner verlangt.

Austriaman nach der Trainingsstunde

Morgen trainiere ich wieder.
Zur gleichen Zeit.
Am gleichen klebrigen Boden.

Helden entstehen hier keine.
Aber manchmal bleibt wer dran.