I hob vü Feinde. Die SchwammerlLoge. Den Bürokratius. Den Wettergott, der meint, er muss jeden zweiten Augusttag Schnee schicken. Oba mei größter Kampf? Den führ i ned gegen Schurken. Den führ i täglich in der Küche. Für das Schnitzel.
Es gibt Dinge, die man nicht erklärt. Man spürt sie einfach. Den ersten Schnee. Den Geruch von frisch gemähtem Gras auf einer Alm. Und das Zischen, wenn ein Wiener Schnitzel in die heiße Butter gleitet. Das ist kein Geräusch. Das ist Musik. Österreichische Nationalhymne, Version 2.0, gespielt auf der Pfanne.
I bin Austriaman. I hob ein Cape, ein Wappen auf der Brust und a Meinung zu allem. Oba frogts mi, wofür i wirklich kämpf – dann is die Antwort einfach: Für die Unversehrtheit des Wiener Schnitzels. In seiner ursprünglichen, unverdünnten, unkompromittierten Form.
„Des Schnitzel is ned a Gericht. Des Schnitzel is a Haltung."
Es gibt Menschen – und i verwend das Wort „Menschen" hier sehr großzügig – die glauben, Panieren sei einfach. Die werfen irgendwas in Mehl, irgendwas in Ei, irgendwas in Brösel und nennen das dann „Schnitzel".
Das ist kein Schnitzel. Das ist ein Verbrechen.
A richtiges Wiener Schnitzel hat eine Panier, die atmet. Die sich beim Braten vom Fleisch löst, Wellen schlägt wie die Donau bei Hochwasser, goldgelb wird wie der Herbst im Wienerwald. Wer das ned kennt, hat noch ned gelebt. Wer das absichtlich verhindert, gehört vor den Helden-Rat.
I hob einmal – einmal! – in einem Lokal ein Schnitzel bestellt, das festpaniert war. Festpaniert. Als hätt' jemand Beton drübergossen und dann gewartet bis er trocken is. I hob den Ober gerufen. I hob erklärt. I hob, mit zitternder Stimme, die Situation geschildert. Der Ober hat gmacht als ob er´s ned hört. Des war der Moment, wo i verstanden hob, wozu ma a Cape braucht.
Jo, i bring's an. Die Frage aller Fragen. Das Schisma der österreichischen Küche. Kalb oder Schwein?
Offiziell – und da bin i sehr klar – ist ein Wiener Schnitzel aus Kalb. Das steht so im Gesetz. Naja, ned wirklich im Gesetz, oba es sollte. Wenn i Innenminister wär, wär das mein erster Erlass. Noch vor dem Budget.
Oba zwischen uns, im Vertrauen, Cape auf Herz: A guats Schweinschnitzel ist keine Schande. Es ist ein anderes Sakrament. Gleichwertig? Nein. Respektabel? Absolut. So wie der Zweier-Einspänner kein Melange ist – oba trotzdem seinen Platz im Kaffeehaus verdient hat.
Wer allerdings a Hühnerschnitzel bestellt und dabei „Schnitzel" sagt, mit dem red i ned mehr. Das ist meine rote Linie. Und die ist, wie mein Cape, sehr, sehr rot.
„A Hühnerschnitzel ist a Schnitzel so wie a Tretroller a Auto ist. Ned dasselbe. Ned annähernd."
Erdäpfelsalat. Mit Essig und Öl. Lauwarm. Mit ein bissi Zwiebel, feinstem Schnittlauch drauf und einer Prise Salz, die man ned schmeckt, oba die fehlt, wenn sie ned da is.
Das ist die einzig richtige Antwort auf die Frage nach der Beilage. Keine Diskussion. Kein Kompromiss.
I hob einmal in einem ansonsten tadellosen Lokal – modernes Interieur, nette Bedienung, guter Wein – ein Schnitzel mit Pommes frites serviert bekommen. Pommes frites! Als wär ich in irgendeiner belgischen Frittierbude und ned in einer Gaststätte auf österreichischem Boden!
I hob's gegessen. I bin ja ned unmenschlich. Oba i hob dabei geschwiegen. Und das sagt bei mir sehr, sehr viel.
Jetzt komm i zu einem Thema, das mich schon lang beschäftigt. Vielleicht mehr als die SchwammerlLoge. Vielleicht mehr als der Bürokratius. Ich spreche von der ungefragt ausgepressten Zitrone.
Es gibt Kellner – und nochmals, ich verwende das Wort sehr großzügig – die stellen dir ein Schnitzel hin, nehmen die Zitronenscheibe, und drücken sie aus. Einfach so. Ohne zu fragen. Auf mein Schnitzel. Auf meine Panier. Auf mein Heiligtum.
I hob in solchen Momenten kurz überlegt, ob mein Cape Superkräfte verleiht. Ned für Böses. Nur damit i schnell genug wär, die Zitrone abzufangen bevor sie landet.
Die Zitrone gehört neben das Schnitzel. Als Angebot. Als Option. Als stille Einladung, die man annehmen kann oder ned. Das ist Demokratie. Das ist Respekt. Das ist, was uns von den anderen unterscheidet.
„Wer ungefragt die Zitrone auspresst, greift ned nur ins Essen ein. Der greift in meine Seele."
Ich habe viele Abenteuer erlebt. Ich habe die Streif bezwungen – naja, fast. Ich habe den Magistrat überlebt – naja, knapp. Ich habe Feuerwehrfeste durchgestanden, die stärker waren als jede Superschurken-Attacke.
Oba kein Sieg schmeckt so gut wie a perfektes Wiener Schnitzel. Goldgelb. Knusprig. Schwimmend in Butter, ned Öl – Butter, i hob's gsagt. Mit Erdäpfelsalat, einer Zitronenscheibe links daneben, und dem leisen Geräusch der Panier wenn man mit dem Messer draufschneidet.
Das ist Österreich. Das ist, wofür i kämpf. Das ist mein Superbenzin.
In diesem Sinne: I hob's prüft. Und für gut befunden.
— Austriaman. Held. Österreicher. Schnitzelverteidiger.