Austriaman über Wien:

Die Hauptstadt, die sich selbst für ein eigenes Bundesland hält
(zurecht), wo der Grant Kulturgut und der Kaffee schwarz wie die Seele
ist.
Kulturhauptstadt, Grantlhauptstadt.
In Wien trifft Kaiserglanz auf Kaffeehausphilosophie, Oper auf Beisl,
und Charme auf ein bisserl G’sudere. Aber mit Stil.
Die Stadt lebt zwischen gestern und übermorgen, zwischen Prater und
Parlament, zwischen Heurigen und Hipstern.
Wiener wissen alles besser, vor allem übers Leben und dem Tod, und
sagen’s dir mit Schmäh und Schmollmund, aber wenn’s drauf ankommt,
stehen sie hinter dir wie ein Fiaker vor’m Stephansdom.
Kulinarik:
Wiener Küche ist Weltkulturerbe. Und das zu Recht.
Vom Wiener Schnitzel (bitte Kalb, alles andere ist „eh gut, aber halt
falsch“) über Tafelspitz, Fiakergulasch, Eierspeis mit Frankfurter,
G’selchtes, Krautfleckerl und Kaiserschmarrn. Hier isst man nicht, man
zelebriert.
Würstelstand-Kultur: Ein Ort zwischen Philosophie, Fluchtpunkt und
Sozialstudie.
„A Eitrige mit an Buckl und an 16er Blech“ Das ist keine
Bestellung, das ist ein Lebensgefühl.
Kaffeehaus: Man geht nicht hin, um Kaffee zu trinken, sondern um zu
sitzen, zu lesen, zu granteln oder einfach zu existieren. Verlängerter.
Melange. Brauner. Keine Extrawünsche, bitte. Und nein, man fragt den
Kellner nicht, ob man zahlen kann.
Landschaft & Natur:
Wien ist die grünste Großstadt im deutschen Sprachraum. Richtig
gelesen: Über 50 % der Fläche ist grün. Und das sieht man.
Prater, Lainzer Tiergarten, Donauinsel: Von Wildschweinen in Hietzing
bis Sonnenbrand auf der Donauinsel. Wien ist Stadt und Natur in einem
seltsamen, aber schönen Gleichgewicht.
Weinberge & Heurige: Ja, Wien hat Weinbau innerhalb der
Stadtgrenzen. In Grinzing, Stammersdorf oder am Nussberg sitzen die
Leute mit Blick über die Stadt und trinken Veltliner wie Kaiser Franz
Joseph persönlich.
Kultur & Identität:
Die Wiener Identität lebt zwischen Opernball und Beisl. Man kennt sich
mit Mahler und Jelinek aus, kann aber auch den Karl aus’m Gemeindebau
zitieren.
Musikstadt: Mozart, Beethoven, Falco. Und irgendein Straßenmusiker, der
in der U6 Schrammelmusik mit Trap mischt.
Tradition mit Widerstand: In Wien wird Brauchtum eher ignoriert als
gefeiert. Aber wehe, du kritisierst es. Dann wird’s plötzlich verteidigt
wie eine Erbschaft.
Der Wiener Schmäh: Kein Humor im klassischen Sinn. Eher: Sarkasmus mit
Philosophie, charmant serviert mit einem Augenzucken.
Image & Mentalität:
Grant als Grundhaltung: Der Wiener ist nicht unfreundlich, er ist
einfach radikal ehrlich ohne Schminke. Wer das nicht versteht, wird
scheitern – oder sich verlieben.
Melancholischer Patriotismus: Wien liebt sich. Aber auf eine Art, bei
der man es nur merkt, wenn man ganz genau hinschaut. Meist hinter einem
Augenrollen.
Lebenskunst durch Widerstand: Wer in Wien überlebt, im Straßenverkehr,
bei Amtswegen, im Kaffeehaus, hat alles gesehen.
Sprache als Waffe: „Passt scho.“, „Geh bitte.“, „Na
oida.“- Mehr Gefühl in zwei Worten geht nicht.
Was man sonst noch mit Wien verbindet:
Stephansdom, Riesenrad & Zentralfriedhof.
Die drei großen Koordinaten der Stadt: Glaube, Nostalgie und
Endlichkeit.
Wiener Linien & U-Bahn-Stimmen: „Zug fährt ab. Bitte
zurückbleiben.“ – hat schon mehr gebrochen als Tinder.
Ballkultur & Beislkultur. Beide gleich wichtig.
Die ewige Diskussion: Ist Wien lebenswert oder unerträglich?
Antwort: Ja.